Am 20. April 2015 wurde das größte Naturschutz-Förderprojekt des Bundes in alten Bundesländern bewilligt. "Chance7" kostet 14 Millionen Euro und wird von den Verwaltungen des Naturschutz wie auch vom für die Umsetzung zuständigen Rhein/Sieg-Kreis hoch gelobt, siehe Bonner General-Anzeiger 21.4.2015 "Aufbruchstimmung bei Chance 7" und "Kompliment an die Projektleitung". Die Projektleitung hat Landrat Sebastian Schuster (CDU).

Zur Pressemitteilung des Bundesamts für Naturschutz

Geradezu widersinnig ist die  Politik des Rhein/Sieg-Kreises, angeführt durch Landrat Schuster, vehement die Südtangente zu fordern. Chance 7 ist nur dann eine Chance für die Region, wenn Landrat Schuster sich vehement für die Umsetzung von Chance 7 und für die Verbesserung des Nahverkehrs einsetzt anstatt für die Südtangente!

 

Hier ein Kommentar von Dr. Wolf Lopata, Sankt Augustin

Der Ennertaufstieg mit seinen Folgen würde wertvolle Schutzgebiete der Chance7-Region weiträumig zerstören

Das Naturschutzgroßprojekt Chance 7, für das dem Rhein-Sieg-Kreis als Projektträger jetzt der Förderbescheid übergeben wurde, ist seitens des Naturschutzes außerordentlich zu begrüßen. Ziel des Projekts ist es, in der Förderregion die Natur zu sichern und zu entwickeln. Die Höhe der Fördermittel zeigt, welcher Aufwand dafür heute notwendig ist.

Da ist es geradezu widersinnig, wenn der Rhein-Sieg-Kreis sich gleichzeitig vehement dafür einsetzt, dass der Ennertaufstieg für mindestens 500 Millionen € realisiert wird. Denn der zerstört Natur ja nicht nur dort, wo er gebaut wird. Er soll ja bekanntlich wesentlich der Erschließung des östlichen Rhein-Sieg-Kreises dienen, wie es der bisherige Landrat Kühn immer betont hat und der derzeitige Landrat ja nicht anders sieht. Das aber bedingt weitere Zerstörung von Natur und beeinträchtigt auch den Erfolg von Chance 7. Dazu passt die Äußerung des umtriebigen Bonner Immobilienhändlers Limbach im Generalanzeiger vor einiger Zeit, sinngemäß: Wenn der Ennertaufstieg kommt, dann kann ich umgehend mit neuen Bebauungen in den Höhenlagen von Königswinter loslegen.

Da trifft Limbach sich mit dem Königwinterer Bürgermeister Peter Wirtz, der ja sogar darauf aus ist, das Bundeswehrdepot Eudenbach als Gewerbestandort zu bekommen. Dieses Depotgebiet hat aber für Chance 7 eine besonders hohe Bedeutung als Verbindungsgebiet zwischen der Komper Heide und dem Naturschutzgebiet Flugplatz Eudenbach und ist (noch) Heimat von Arten der Roten Liste, die außerhalb nicht oder kaum vorkommen und deshalb auch für die Entwicklung der angrenzenden Vorrangflächen von Chance 7 und auch der benachbarten Gebiete der Mußer Heide in Rheinland-Pfalz wesentlich sind.

Wie hoch der Wert dieses Naturkomplexes ist, hat auch  der frühere Landrat Kühn betont, als es darum ging, weitere Gewerbegebiete in Rheinland-Pfalz an der Grenze zum Rhein-Sieg-Kreis zu verhindern. Wenn Königswinter schon die Hand nach solch wertvoller und wichtiger Kernfläche der Förderkulisse von Chance 7 ausstreckt, was ist dann für andere Flächen zu erwarten, die nicht unmittelbar die Maßnahmenflächen von Chance 7 betreffen? Herr Kühn hat immerhin die Natur als bedeutenden  positiven Standortfaktor für die Region erkannt und genannt. Meint er etwa nur die angrenzenden Schutzgebiete in Rheinland-Pfalz, aber nicht die in NRW?

Der Ennertaufstieg mit all seinen unabdingbaren Beeinträchtigungen ist deshalb eine Belastung nicht nur der unmittelbar betroffenen  Flächen, sondern auch für den Standortfaktor Natur in einem weit größerem Gebiet, einschließlich der Menschen, die hier leben und Naherholung suchen. Das wird in der engen Fokussierung der Befürworter auf eine erhoffte wirtschaftliche Entwicklung und verkehrsbezogene Entlastung nahezu ausgeblendet und als unbedeutende Randerscheinung deklariert.

 

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