Müssen die Agrarflächen in Roleber aus Klimagründen unbebaut bleiben?

Wahrscheinlich. Die Klimawandel-Vorsorgestrategie des Verbands Region Köln/Bonn e.V. weist in Roleber regional wirksame Kaltluft-Leitbahnen aus. In der Regel werden Leitbahnen aufgrund der VDI-Standards (VDI 3787 Blatt 5) nicht bebaut. Sie wurde im Januar 2020 veröffentlicht.

Mithilfe der dort angewendeten Methode werden regional wirksame Faktoren erkannt, wie die Kaltluft-Leitbahn in Roleber.  Bei der detaillierteren Analyse des Bonner Klimaschutz-Projektes ZURES fehlt die regionale Perspektive, die die Klimavorsorgestrategie mit ihrer weniger hohen Auflösung erzielt hat. ZURES kann die regional wirksame Kaltluft-Leitbahn mit seiner Methode nicht sehen.

Es ist nicht eine Methode besser als die andere, sondern sie blicken auf unterschiedliche Faktoren. Beide Erkenntnisse schliessen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich und müssen zusammen betrachtet werden.

Als der Bonner Stadtrat am 4.7.19 den Beginn des Bebauungsplanverfahrens beschloss, waren die Daten der Klimavorsorgestrategie noch nict publiziert. Dem Stadtrat lag nur die "Klimatologische Ersteinschätzung" des Bonner Klimaschutzprojektes ZURES vor.

RoleberKlimawandelvorsorgestrategie

Kartengrundlage: Region Köln/Bonn e.V.  (2020): Klimawandelvorsorgestrategie für die Region Köln/Bonn, www.klimawandelvorsorge.de Download 6.2 Regional wirksame Luftleitbahnen und Kaltluft-Einzugsgebiete (PDF), eigene Bearbeitung

Roleber wäre nicht allein: Der Bonner Stadtrat hat 2019 auf ein Baugebiet in Ückesdorf wegen Kaltluft-Leitbahnen verzichtet.

Kalte Luft wird immer wichtiger: Bisher werden Einzugsgebiete von nächtlicher Kaltluft in der Regel (VDI-Standards) nicht vor Bebauung geschützt, sondern nur Kaltluft-Leitbahnen.
Klimaexperten sind sich aber einig: Ohne die Entstehung von Kaltluft macht eine Kaltluft-Leitbahn wenig Sinn. 

 

Wer würde die immensen Kosten für die äußere Kanalerschliessung zahlen?

Das Baugebiet in Roleber würde extrem teuer, denn die äußere Abwasser-Erschliessung erfordert erheblichen Ausbau. Niederschläge und Schmutzwasser des Roleberer Planungsgebietes würden in den Kanal an der Holzlarer Hauptstraße abfließen. Dieser Kanal ist „hydraulisch ausgelastet“, was einen „erhöhten Finanzierungsbedarf für den Ausbau“ mit sich bringt, schrieb das Bonner Tiefbauamt für die DSK-Studie Roleber, die 2016 im Auftrag der Stadtverwaltung durchgeführt wurde.

Quelle: Deutsche Stadt- und Grundstückentwicklungsgesellschaft (DSK) 2016: Vorbereitende Untersuchungen für einen möglichen Entwicklungsbereich Roleber, S. 77-78

Die Kosten können anhand von anderen Kanalkosten geschätzt werden. Aktuelle Kanalkosten hat die Stadtverwaltung in Pressemitteilungen angegeben:
 • 1,2 Mio € für 300 m in Holtorf (fast 4.000 € pro Meter)
 • 4,3 Mio € für 500 m im Musikerviertel (8.600 € pro Meter)
 • 12 Mio € für ca 1 Kilometer in Mehlem (12.000 € pro Meter).
Der Holzlarer Kanal ist ca 2 Kilometer lang und teilweise sehr steil – ein Teil der Straße zwischen Roleber und Holzlar ist als „Hölle von Roleber“ bekannt. Der Ausbau des Holzlarer Kanals und die ebenfalls notwendigen Rückhaltebecken dürften mindestens 20 Millionen € kosten.

Die DSK-Studie warnt entsprechend, es sei mit "einem erhebliches Rückhaltevolumen bei Niederschlagswasser zu rechnen, was einen erhöhten Finanzierungsbedarf für den Ausbau einer entsprechenden Entwässerung mit sich bringt" (S.77)

Der Holzlarer See kann auch nach seinem aktuell anstehenden Ausbau kein Schmutzwasser und nur begrenzt Niederschlagswasser aufnehmen. An die Probleme mit Niederschlagswasser in Roleber erinnert das oberirdische, vor dem LWK-Gebäude angelegte offene Rückhaltebecken und die Überschwemmungen in Holzlar in den 1960er Jahren.

Unbezahlbares Wohnen: 20 Millionen Euro für die äußere Erschließung eines Baugebietes – das ist mehr Geld als das städtische Defizit von 2019 betrug, nämlich 18 Millionen. Wirtschaftlich wäre dieses Baugebiet wohl nicht, selbst wenn alle Roleberer Agrarflächen bebaut würden.
Die Holzlarer Anwohner müssen nun eine Beteiligung an den erheblichen Kosten befürchten.

Anfragen von Bürgern beantworteten die Stadtverwaltung und die CDU-Fraktion ausweichend.  Sie gingen auf die Kosten der äußeren Erschließung und den Kostenträger gar nicht ein. Das Planungsamt allerdings informierte den Ausschuss für Bürgerbeteiligung am 28.5.19 mündlich, dass der Investor zu zahlen habe. Dies wurde jedoch nicht protokolliert und den anfragenden Bürgern nicht schriftlich bestätigt. Der Investor, Sahle Wohnen, stritt die Notwendigkeit des Kanalausbaues ab.

 

 

 

 

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